HERRENTEICH
...WETTBEWERB
  Homepage   Unser Verein   Unser Flugplatz   Segelfliegen   Intern   GO2010  

    
 Thermik

 

Wie können Segelflugzeuge überhaupt stundenlang ohne Motor in der Luft bleiben?
Und was ist eigentlich Thermik?

Ganz grob gesagt ist Thermik warme Luft, die in kälterer Luft aufsteigt. Dieser Effekt lässt sich ganz einfach physikalisch erklären, denn Material geringerer Dichte steigt in einem beweglichen, schwererem Material auf. Wenn man zum Beispiel ein Holzstückchen unter Wasser drückt, so steigt es wieder zur Oberfläche auf, da es eine geringere Dichte hat wie Wasser. An der Grenzschicht zwischen Wasser und Luft bleibt es aber in Ruhe, da die Luft leichter ist als das Holzstückchen und somit kann das Holzstückchen nicht weiter aufsteigen.
Da sich nun aber ein Luftpaket beim Erwärmen ausdehnt, wird auch die Dichte dieser Luft kleiner und kann in kälterer Luft mit größerer Dichte aufsteigen. Jetzt stellt sich aber die Frage: Warum kann sich die Luft verschieden schnell erwärmen?
Auch hierfür gibt es eine simple Erklärung. Wie jeder weiß, ist es in schwarzen Autos immer wärmer wie zum Beispiel in einem weißen Auto. Dies kommt von der verschiedenen Absorbtionsfähigkeit der Farben schwarz und weiß. Schwarze Gegenstände können das ganze Lichtspektrum absorbieren. Weiße Gegenstände können dies nicht, sie reflektieren einen großen Teil des Lichts. Die Luftschicht über den einzelnen Gegenstände können sich somit verschieden stark erwärmen. Das gleiche gilt auch für die Oberflächenbeschaffenheit, welche für die Segelfliegerei eine viel höhere Bedeutung hat als der Farbunterschied. Es leuchtet wohl ein, dass sich ein geteerter Parkplatz viel schneller erwärmen kann als eine Wasseroberfläche, die einen großen Teil des Lichts reflektiert. Des weiteren ist es wohl klar, dass ein Hang, der in der Sonne liegt viel wärmer wird als der Teil des Hanges, der im Schatten liegt.
So könnte nun ein Auf- und Abwindsystem aussehen:


Hier kann man schon den nächsten Schritt erkennen: Die Wolken (Cumulus-Wolken). Jene entstehen, wenn sich die Luft beim Aufsteigen so stark abgekühlt hat, dass sie nicht mehr die Menge an Wasser aufnehmen kann, die sie am Boden aufnehmen konnte. (Die Luft kühlt sich in der Regel um ca. 1 Grad pro 100m ab). Diese typischen Wolken die dabei entstehen sehen so ähnlich aus wie ein Blumenkohl. Sie weisen den Segelfliegern den Weg auf der Suche nach Thermik. Die Wolken müssen aber nicht immer entstehen. Es gibt Wetterlagen, bei denen die Lufttemperatur in einer bestimmten Höhe nicht weiter abnimmt. Man spricht dann von einer Inversion. In dieser Luftschicht bleibt dann das aufsteigende Luftpaket hängen (da es dann nicht mehr wärmer ist als die umgebende Luft), und wenn es noch nicht die Kondensationstemperatur erreicht hat bilden sich auch keine Wolken. In solch einem Fall spricht man von Blauthermik.
Diese Arten des Aufwindes nutzen die Segelflieger aus, um sehr lange Zeit in der Luft zu bleiben. Es gibt aber noch eine andere Art des Aufwindes: der Hangwind. Er entsteht wenn hohe Windgeschwindigkeiten herrschen. (Gleichzeitig wird aber die Thermik in der Regel so stark verwirbelt, daß sie für den Segelflieger kaum noch nutzbar ist.). Wenn nun der Wind auf einen Hang stößt, so wird er nach oben abgelenkt. Diese Aufwärtsbewegung wird von den Segelfliegern ebenfalls ausgenutzt.

Bei bestimmten Wetterlagen (besonders bei starkem Wind) und passende Bodenbeschaffenheiten, kann es zu Leewellen kommen. Ähnlich wie ein Stein im Bach verursacht auch ein Berg eine Welle in Strömungsrichtung. Ein darauf folgender Berg kann diese Welle verstärken. (Resonanzverstärkung). Diese Wellen können sich Kilometer weit nach dem ersten Berg fortsetzen und in weite Höhen reichen. In solchen Systemen wurde auch viele Strecken und Höhenweltrekorde geflogen. Es werden Höhen bis über 10km erreicht und Weiten von über 1420km (1996 geflogen von Klaus Ohlmann).
Siehe auch Rekorde mit Segelflugzeugen.

Text und Grafiken von Achim Besser